Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

MARTE MEO

Marte Meo Methode setzt auf Herz und Hirn – Entwicklungsunterstützung auf Videobasis

Der Kindergarten St. Nikolaus ist ein Marte Meo Kindergarten, der im April 2016 durch das Norddeutsche Marte Meo Institut zertifiziert wurde.

Ein Interview mit der Kindergartenleitung

Was genau steckt hinter der Methode „Marte Meo“?

Heidi Meyer: Marte Meo ist der Name für eine Methode der Entwicklungsförderung mit Videounterstützung. Der Begriff ist dem Lateinischen „mars martis“ entnommen und bedeutet im übertragenen Sinne, etwas aus eigener Kraft zu erreichen. Dies ist auch die Grundidee und Inhalt der Methode, die von Maria Aarts, einer Niederländerin, um 1980 entwickelt wurde. Das Ziel der Methode ist es, Eltern und andere Bezugspersonen im Umgang mit den Kindern zu unterstützen und ihre Fähigkeiten zu aktivieren und zu erweitern, was durch das Aufzeigen förderlicher Interaktionsmuster angeregt wird. Der Leitsatz „Zeigen, nicht erklären!“ spiegelt die Idee hinter der Methode wieder: Die Bezugspersonen sollen verschiedene Möglichkeiten zur positiven Kontaktaufnahme nicht übergestülpt bekommen, sondern auf Videoaufnahmen sehen und selbst erkennen können. Dies geschieht aus eigener Kraft, von sich selbst heraus, intrinsisch motiviert, was bekanntlich beim Lernen den größten Effekt hat.

Und wie sind Sie als Kindergarten zu Marte Meo gekommen?

Heidi Meyer: Ich habe im Jahr 2013 meine Ausbildung zum Marte-Meo-Practitioner begonnen und habe dann nach einigen Monaten meinem Team vorgestellt, womit ich mich in dieser Fortbildung beschäftige und welche Methode ich im Kindergarten einsetze. Die Reaktionen haben mich dann sehr überrascht, denn alle waren so begeistert, dass sie gesagt haben „Wir wollen das auch lernen!“. Natürlich hat mich das sehr gefreut, denn wenn ein Team so viel Eigenmotivation zeigt, dann ist das doch die allerbeste Voraussetzung! Auch der Gedanke daran, dass wir als Kindergarten alle mit dieser Methode arbeiten, hat mir sehr gefallen und so habe ich dann unseren Geschäftsführer, den Träger auch den Bürgermeister überzeugen können, sodass sie uns zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt haben. Fast das ganze Team konnte dann im Jahr 2014 die Fortbildung zum Marte-Meo-Practitioner besuchen. Allerdings hätte ich mir damals nicht träumen lassen, in welcher Form Marte Meo bei uns einzieht – Marte Meo ist zum festen Bestandteil unserer Arbeit geworden.

Wie sieht die Arbeit mit Marte Meo konkret aus?

Heidi Meyer: Wir filmen die Kinder in Alltagssituationen und führen mit diesen Aufnahmen im Anschluss eine Interaktionsanalyse durch. Anhand der Videoaufnahmen können Ressourcen, Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder aufgezeigt werden. Leitfragen hierzu sind: Was hat das Kind schon gut entwickelt? Woran sehen wir das? Wozu ist das gut? Was könnte ein weiterer Entwicklungsschritt sein und wie können wir das Kind dabei unterstützen? Im Folgefilm erkennen wir dann, ob es gelungen ist, diesen Entwicklungsschritt zu realisieren. In unserem Kindergarten gibt es unterschiedliche Bereiche, in denen wir Marte Meo einsetzen: Zum einen sind die Videoaufnahmen ein Beobachtungsinstrument, welches wir auch im Hinblick auf Entwicklungsgespräche mit Eltern verwenden. In Team-Sitzungen setzen wir die Methode ein, um gegenseitige Beratung zu leisten oder bestimmte Einzelfälle zu besprechen. Ein weiterer Einsatzbereich liegt in den Mitarbeitergesprächen, welche einmal jährlich durchgeführt werden. Mithilfe der Videoaufnahmen können die Stärken der Mitarbeiterin sichtbar hervorgehoben werden und man kann erkennen, in welchen Situationen die Mitarbeiterin die Kinder noch mehr unterstützen kann. Auch in der Praxisanleitung kann Marte Meo angewandt werden: Die Anleitung filmt die Auszubildende im Alltag oder bei Bildungsaktivitäten und wertet dies im Anschluss daran gemeinsam mit ihr aus, wodurch Ressourcen und Fähigkeiten deutlich sichtbar werden.

Worin genau liegt der positive Nutzen der Arbeit?

Heidi Meyer: Zum einen haben wir durch die Videoaufnahmen einen ganz anderen Blick, eine andere Perspektive und ganz andere Möglichkeiten, genau zu schauen. Man erkennt plötzlich ganz andere Dinge, die man in der realen Situation nicht sehen konnte. Manchmal erklären sich dadurch auch bestimme Verhaltensweisen eines Kindes. Aber auch die Fähigkeiten der Fachkräften und der Eltern werden geschult. Durch die ständige Selbstreflexion bekommt man einen anderen Blick auf sich selbst und erkennt genau, worin die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen liegen, was sich positiv auf die alltägliche Arbeit und den Umgang miteinander auswirkt. Das Kind erfährt durch verschiedene Elemente Bestätigung und Anerkennung und erfährt sich somit als selbstwirksam und sein Selbstbewusstsein wird gestärkt. Dies wirkt sich dann natürlich auch im Umgang mit anderen Kindern positiv aus und es herrscht eine angenehme Grundstimmung.